Konzerte im Chaos - ein Statement zur aktuellen Situation

Da sitzt er da, der Autor dieser Zeilen und schaut aufs Kalenderblatt. Das zeigt den 24. Mai 2020 und kein Mensch in diesem Land weiß heute, wie es mit der Musik- und Kulturszene insgesamt weitergehen soll. Das führt zu der absurden Situation, dass wir hier noch ein Mai- bzw. Sommerprogramm online haben, von dem wir aber wissen, dass es mit ziemlicher Sicherheit nicht stattfinden wird.

Warum? Seit 16. April schwirrt das Wort „Großveranstaltungen“ durch die Medien und durchs Netz. Die sind nämlich laut Bundesregierung bis 31. August dieses Jahres verboten. Während in den Tagen danach die fieberhafte Debatte in der Szene ausbrach, was dieses ominöse Wort denn nun hinsichtlich der erlaubten Besucherzahlen bedeutet, hagelte es gleichzeitig die Absagen aller europäischen Musikfestivals, die nun wussten, was auf sie zukommen wird.

Für alle kleineren Venues, von den Kleinkunstbühnen bis hin zu den Musikclubs, gibt es bislang keinerlei Aussage, was sie denn nun ab 25. Mai können, sollen, dürfen, müssen, wenn wie seit gestern bekannt, Restaurants wieder öffnen dürfen. Nichts! Völlige Unklarheit, keine gesetzliche Regelung, keine Planungssicherheit, denn Clubs und Spielstätten müssen auch darüberhinaus geschlossen bleiben. Die Regierung schiebt die Verantwortung seither auf die einzelnen Bundesländer, die entscheiden sollen. Aber da kommt nichts außer etlichen, praxis- und weltfremden Ideen. Vertreter aus den Bundesländern spekulieren locker und leicht vor sich hin, ob die Schmerzgrenze für „Großveranstaltungen“ möglicherweise bei 1000, bei  500, bei 100 oder sogar bei 50 Besuchern beginnt. Außerdem habe ich zunehmend den Eindruck, dass sich in dieser Frage kein Politiker festlegen will, denn der Proteststurm der Kulturwelt wird gewaltig sein, wenn das eintritt, was nicht nur ich befürchte. Es droht ein gewaltiges Bühnensterben mit ebenso gewaltigem Kulturverlust in unserem Land.

Das Virus wütet weiter. Wir müssen weiter social distance halten. In den letzten Tagen reden führende Politiker von der „neuen Normalität“, auf die wir uns einstellen müssen, so als hätte man eine gemeinsame Sprachregelung. Und nun denkt der Claus halt mal laut nach und sagt sich, wenn es um die Ansteckungsgefahren geht, dann lässt es sich doch gar nicht verleugnen, dass man in einer Spielstätte wie dem Colos-Saal schon mit 150 Besuchern keinen Mindestabstand mehr halten kann, währenddessen sich das in einer großen Stadthalle vielleicht sogar noch mit 600 Besuchern sogar ohne Infektionsgefahr darstellen ließe.

Das wird irgendwann auch den Regierenden in Bayern und Berlin aufgehen, je mehr sie darüber nachdenken. Daher wäre es ziemlich schwachsinnig, Besucherzahlen für das ganze Bundesland als Maßstab für Veranstaltungsgenehmigungen auszugeben. Es wird früher oder später individuelle Regelungen für die einzelnen Spielstätten geben und da ich nicht blauäugig bin, weiß ich, dass der Colos-Saal sicher bei den Verboten dabei sein wird, die für Großveranstaltungen gelten, so klein wir auch im Vergleich sind.

Ich weiß es, das Colos-Saal-Team weiß es und die komplette Branche befürchtet es, sind doch jetzt schon Konzerttermine aus März und April, die ausfallen mussten, offiziell in den Juni und Juli verschoben, während hinter den Kulissen bereits zweite Ausweichtermine für die gleichen Bands im neuen Jahr gesucht werden, weil einfach nichts mehr sicher planbar ist. Das Konzertbusiness im totalen Chaos eben, den Kleinkunstbühnen geht es nicht viel besser.

Daher: habt bitte viel Geduld mit dem Colos-Saal. Wir können an dieser Situation derzeit nichts ändern. Die Newsmeldung „Corona Virus und die Folgen: Programmänderungen“ auf dieser Seite ist für alle, die bereits Karten für Veranstaltungen haben, die ausfallen mussten oder noch ausfallen werden, im Moment die wichtigste Quelle, um zu erfahren, was für die jeweilige Veranstaltung gilt.

Die Veranstaltungsverbote in Bayern gelten derzeit nur bis einschließlich 25. Mai. Was danach auf uns alle zukommt, ist derzeit völlig unklar.

Was aber klar ist: Die Politiker werden für die privat geführten Kulturbühnen unbedingt noch ein Sonderprogramm zur Rettung entwickeln müssen. Selbst die bestens geführten Unternehmen der Branche werden es nicht schaffen, ein halbes Jahr oder noch länger ohne jeglichen Einnahmen auszukommen.

Claus Berninger, Geschäftsführer Colos-Saal

PS: Dieser Text steht hier fast unverändert seit dem 25.4.2020. Ich tausche immer nur das Datum des Kalenderblattes im 2. Satz aus.

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